Wenn ich einmal meine Memoiren schreibe - was sehr gut möglich ist - dann werden die Leute erkennen, daß Schach einen kleinen Teil meines Lebens ausgemacht hat. Es gab mir die Möglichkeit, nach etwas zu streben und zugleich überzeugte es mich von der Sinnlosigkeit dieses Strebens. Heute spiele ich weiterhin Schach, da es meinen Geist beschäftigt hält und mich davon abhält zu grübeln und in Erinnerungen zu verfallen. [Alexander Aljechin]

Aljechins Zitat gibt sehr schön wieder, was auch ich über Schach denke - und warum auch ich es immer noch spiele, von der Notwendigkeit einer sinnvollen Beschäftigung einmal abgesehen, auf die ich als Schwerbehinderter angewiesen bin.

Nachdem ich mich jahrelang im Bereich des Computerschachs getummelt habe, wurde mir schließlich klar, daß es Zeit ist weiterzuziehen und meinen Kopf eher dazu zu benutzen, selbst wieder mehr Schach zu spielen - und sei es nur gegen Chessmaster 10, dessen vorprogrammierte Gegner mir sehr imponiert haben. Bei anderen Programmen erschien es mir oft zu schwierig sie auf ein für mich angemessenes Niveau zu drosseln - und selbst wo dies gelang wirkte das Ausspielverhalten dieser Programme nicht sehr natürlich. Will sagen: Ich hatte nicht das Gefühl einem menschlichen Gegener gegenüber zu sitzen.

Im Rahmen der Analyse meiner eigenen Partien fiel mir dann auf, daß es immer wieder sehr schöne Stellungen gibt, die verblüffende Kombinationen ermöglichen. So war dann die Idee geboren, mich mit Studien und Problemstellungen zu befassen und die Besucher meiner Seite daran teilhaben zu lassen.

Die vielen E-Mails, die ich bekam, als ich noch eine englisch-sprachige Seite unterhielt, haben mich davon überzeugt, daß es für einige meiner Landsleute gar nicht so einfach ist, sich da durchzukämpfen - und so habe ich mich auch entschieden, die neue Seite komplett in Deutsch abzufassen. Als non-plus-ultra hätte ich sicher eine zweisprachige Seite empfunden, aber mein gesundheitlicher Zustand läßt einen solchen Aufwand nicht mehr zu.

999 interessante Studien ausfindig zu machen, zu analysieren, zu bearbeiten und online zu stellen ist mit Sicherheit auch nichts, was ich eben mal über Nacht tun kann - und so wird sich diese Seite langsam, aber beständig füllen und ich hoffe, daß Sie an den gebotenen Problemstellungen genauso viel Freude haben werden wie ich.

Goethe hat einmal gesagt, daß Schach der Probierstein des Gehirns sei - dennoch haben vor allem Studien einen gravierenden Nachteil, den ich hier nicht verschweigen möchte: Wenn man eine Studie, eine Problemstellung vor sich hat, dann weiß man auch immer, daß hier "etwas geht", daß es hier einen Zug geben muß, der entweder den Gewinn oder Material sichert. Die Kunst im Schach besteht aber darin, diesen Zug auch in eigenen Partien zu finden, wo einem vorher keiner gesagt hat, daß in dieser oder jener Stellung "etwas drin" sei.

Ich habe auch lange überlegt, welche Programme ich zum analysieren, darstellen und abspeichern verwenden soll und bin dann zu dem Schluß gekommen, daß wohl die meisten Benutzer an die Chessbase/Fritz-Oberfläche gewöhnt sind - und so werden Sie auch auf meiner Seite Dateien in diesem Format vorfinden, sofern ein Download mir sinnvoll erscheint. Ich werde zwar auch immer eine universell lesbare (zumindest sollte das Format es sein) PGN-Datei dazupacken, aber die Grafiken werden hier nicht mit übernommen. PGN ist eben ein reines Textformat, das man auch problemos mit einem Textverarbeitungsprogramm lesen könnte.

Nun wünsche ich Ihnen und mir viel Spaß bei den Studien.

4. September. 2008

Michael Wäsch
[miwaesch@web.de]